Der Mena-Talk

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Der unabhängige Nahost Think-Tank

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00:00:00: Mina Watch, der unabhängige Nahost-Think Tank.

00:00:09: Herzlich willkommen bei einer neuen Ausgabe des Mina Talk!

00:00:11: Mein Name ist Yasmin Arimi und ich bin Journalistin bei Mina Watch.

00:00:15: Und mein heutiger Gast ist heute der Schriftsteller und Psychoanalytiker Samarmani.

00:00:21: Er hat gerade seinen neuen Roman geschrieben zu Besuch bei Onkel Napoleon und genau darüber möchten wir mit ihm sprechen.

00:00:27: Vielen Dank und herzlich Willkommen!

00:00:29: Schön dass du da bist.

00:00:30: Vielen vielen Dank für die Einladung – Ich freue mich sehr.

00:00:33: Der Samann und ich haben uns heute auf das Duga einigte.

00:00:37: Und deswegen duzen wir uns einfach durch das Interview.

00:00:40: Ich komme zur ersten Frage, was war der Ausgangsimpuls für das Buch zu Besuch bei Uncle Napoleon?

00:00:48: Der Ausgangsempuls war also... ...ich bin alles andere als ein Serien-Junkie aber ich bin irgendwie gestoßen auf eine sehr schöne Serie die nicht allzu bekannt ist Mozart in the Jungle Eine US-amerikanische Serie Amazon Plus, glaube ich.

00:01:08: Und da geht es um eine halbfiktive Symphonieorchester in New York und das hat viele Preise gewonnen diese Serie und war aber nicht massenwirksam weil es eben um klassische Musik geht und so wurde dann irgendwie abgesetzt nach vier Staffeln, glaube ich.

00:01:29: Und das hat mich so richtig traurig gemacht und ich habe mir gedacht okay ich kann jetzt und will jetzt keine Fortsetzung schreiben dieser Serie aber ich würde gern irgendwie was machen daraus?

00:01:40: und dann kam ja die Idee dass eine Hauptfigur dieser Serie der Thomas Pembridge gespielt vom Malcolm McDowell der bekannt ist weil er In Corkbock Orange, in den glaube ich in den Siebzigerjahren die Hauptrolle gespielt hat.

00:01:56: Das der aus seiner Serie sozusagen hinab stürzt in das reale Wien dagegen war und dann wieder zurück will in seine Serie.

00:02:06: Und ich wollte eigentlich... Ich habe ja schon drei Teheran-Romane geschrieben und ich wollt eigentlich weg von diesem Teeran, ursprünglich ganz was anderes machen.

00:02:16: Aber irgendwie am Ende des Tages landet dieser Thomas Bamblisch und einigen anderen Leuten in einer Teheraner Kultserie oder eine iranischen Kult-Serie, mein Onkel Napoleon daher der Titel zu Besuch bei Onkel Napoléon.

00:02:30: Und ich muss auch dazu sagen dass dieses Teheraan bei mir jetzt nicht identisch ist mit dem real existierten Tehran und auch nicht mit dem Iran aber es ist so einen halbfiktiver Staat der viel gemeinsam hat Iran, mit dem heutigen Iran aber eben nicht identisch ist damit.

00:02:54: Und eben daher ist im Roman immer und auch in meinen anderen Romanen immer von der Iran die Rede und eben nicht vom Iran.

00:03:03: weil dieser Name Iran passt für mich eher in die Tagesschau und ist literarisch einfach nicht ergiebig oder nicht schön genug.

00:03:15: Wenn du den Roman in wenigen Sätzen erklären müsstest, wenn man ihn noch nicht gelesen hat.

00:03:22: Was würdest du dann sagen?

00:03:24: Ja ich habe das jetzt eh schon irgendwie also in den kurzen Worten eh schon erklärt.

00:03:30: Also eine Figur der Serie Mozart in the Jungle eben Thomas Benbridge stürzt sozusagen aus seiner Serie im in das Wien der Zwei-Tausend-Zwanziger Jahre hinab und möchte wieder zurück in seine Unwirklichkeit, in seine fiktive Serie.

00:03:50: Und trifft da in Wien auf verschiedene Personen und landet dann aber bei seinem Versuch wieder in seine Heimatsserie zurückzukehren eben in dieser Terranerkult-Serie aus den siebziger Jahren mein Onkel Napoleon.

00:04:08: Dadurch, dass dann diese Serie mein Onkel Napoleon ins Spiel kommt, behandelt der Roman verschiedene Stationen der jüngeren Geschichte Tehrans.

00:04:19: Also in gewisser Weise auch des Tehranens beginnend mit, es sind glaube ich vier Stationen.

00:04:26: also die eine ganz wichtige Station und wir reden wohl auch noch darüber ist eine Revolution zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:04:36: Also ich sage dann immer, das ist die eigentliche Revolution im Iran und nicht die islamische Revolution.

00:04:42: Weil diese Revolution zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, die sogenannte konstitutionelle Revolution hat die damalige, wie man es genannt hat, charierbasierte Monarchie der Qajara-Dynastie abgeschafft im Jahre neunzehnt sechs Und es gab dann einen blutigen Bürgerkrieg und es gab damals schon bei dieser Revolution, in den fünf bis neunzehntelf eine mächtige Gegenkraft.

00:05:14: Also eine konterrevolutionäre Kraft angeführt von einem geistlichen Namens Faslullah Nouri und der hat versucht eben da gesagt also Islam ist nicht vereinbar mit so etwas wie Demokratie weil das war das Ziel dieser konstitutionellen Revolution bürgerliche demokratische, eine parlamentarische Monarchie und nicht eine charierbasierte Monarchies.

00:05:39: Und da hat er gesagt es geht nicht mit dem Islam weil Islam sind ja Frauen und Männern nicht gleichberechtigt vor allem gläubige und nicht ungläubig also zum Beispiel Juden und Muslime sind nicht gleich berechtigt was ja völlig logisch und richtig war.

00:05:53: und der wurde.

00:05:54: neunzehnt neun gehenkt als Konterrevolution.

00:05:57: Und siebzig Jahre später das ist dann die dritte Station in meinem Roman bei dieser islamischen Revolution, kommen genau die Nachfolger dieses Konterrevolutionärs von five bis neunzehntelf an die Macht nämlich Khomeini und die führen dann die Sharia ein als Grundlage des Rechts im Iran.

00:06:19: Das ist sozusagen die dritte Station und eine Station die ich übersprungen habe das sind in den nineteen vierziger Jahre.

00:06:25: da spielt diese Serie das ist die Gegenwart dieser Serie Und die Serie wurde ausgestrahlt wenige Jahre vor dieser islamischen Revolution, also eben die dritte Station in diesem Roman.

00:06:40: und dann gibt es noch eine sozusagen Zeit-Ebene.

00:06:47: Und das ist mehr oder weniger die Gegenwart oder die Zeit der sogenannten feministischen Revolution weil zu dieser Zeit habe ich den Roman geschrieben oder begonnen zu schreiben.

00:06:59: Das ist dann.

00:07:02: Das spielt deshalb eine Rolle auch in dieser Serie, weil in der Logik des Romans – also in dieser fantasmatischen Logik gibt es sozusagen eine Migration zwischen dieser Serie und der realen Außenwelt.

00:07:19: Also es kommen Menschen sozusagen die Serie hinein und Menschen aus der Serie hinaus.

00:07:24: Das ist halt in diesem Roman bei allen möglichen Serien der Fall Und es ergibt sich dann, dass eine sozusagen Aktivistin der feministischen Revolution die diese Serie liebt auch in dieser Serie hineinkommt und dann eine Hauptperson der Serie ein junges Mädchen dann einfach hinaus will.

00:07:45: In die Realität, in die Terraner-Realität von zwei tausend zwanzig dreiundzwanzig um an dieser feministischen revolution teilzunehmen Auch weil Situation in dieser Serie, also der Kontext dieser Serie ein sehr patriarchaler Kontext ist und vielleicht werden wir darüber auch noch sprechen.

00:08:06: Also sie will so sagen raus aus dem Patriarchat und eben sich dieser feministischen Revolution gegen die islamischen wie sie genannt werden im Roman sich diesem Protest und diesen Kampf gegen die Islamischen anzuspitalisten.

00:08:23: Warum hast du dich für diese Unterscheidung entschieden, die die islamischen zu nennen?

00:08:32: Aus dem gleichen Grund warum ich von T Iran spreche und nicht vom Iran.

00:08:36: Ich bin ja kein Literaturwissenschaftler.

00:08:39: Bin einfach ein Praktiker der Literatur.

00:08:43: Ich habe mich aber durchaus auch über die Jahre immer wieder mal dann im Nachhinein ein bisschen mit Literaturtheorie beschäftigt Und beispielsweise dadurch, dass halt verschiedene Menschen Rezensionen geschrieben haben über meinen Roman oder irgendwelche Freunde von mir etwas gesagt haben.

00:09:02: Wo ich dann quasi gesagt habe okay jetzt verstehe... Ich überspitze das ein bisschen.

00:09:08: Jetzt verstehe ich erst was ich eigentlich sagen wollte in diesem Sinn und es gibt ja auch.

00:09:16: Also ich habe mich auch ein paar immer wieder mal Philosophie studiert, so fragmentarisch und mich auch mit Kunsttheorie und mit Literaturtheorie beschäftigt.

00:09:25: Aber das ist noch einmal was anderes wie Literaturwissenschaften also nicht so konkret.

00:09:29: Dadurch bin ich da quasi ein bisschen, gehe ich das ja naiv heran auch an diese Dinge.

00:09:35: aber was ich mir gedacht hab zu diesem zu Teran oder dass ich jetzt nicht sage, die Islamisten sage sondern die islamischen oder nicht islamische Republik vielleicht so benenne immer ist das es sozusagen zwei Ebenen gibt in der Kunst oder im Roman überhaupt.

00:09:57: und da beruf ich mich sozusagen auf Adorno.

00:10:03: Der sagt Kunst ist Magie befreit von der Lüge Wahrheit zu sein.

00:10:10: Das Kunst hat zu tun mit dieser magischen Sphäre Ursprung, ich war das halt Sakrale Kunst oder religiöse Kunst und daher diese Anspruch-Wahrheit zu seien.

00:10:19: Und heute ist es säkularisiert, ja?

00:10:21: Heute ist es nicht so wie im alten Griechenland dass man dann so eine Apollo Statue für uns wirklich einen Gott repräsentiert sondern das ist halt säklarisierte Kunst.

00:10:33: Gleichzeitig hat Kunst natürlich zu tun mit der empirischen Realität und kritisiert sie, entwirft dann eine Utopie wie es anders sein sollte.

00:10:42: Aber wenn Sie völlig aufgeht in dieser empirischen Reality, ist sie nicht mehr Kunst.

00:10:47: Dann ist das irgendwie ein soziologischer Bericht oder irgendein politisches Pamphlet oder so.

00:10:53: Und das ist oft die Gefahr, die bei sogenannten politischem Kunststand besteht.

00:10:59: Das war jetzt auch alles nicht.

00:11:00: Das habe ich jetzt nicht bewusst.

00:11:02: reflektiert, als ich mich entschieden habe zum Beispiel zu sagen der anstatt Iran oder die islamischen Stadt Islamisten.

00:11:11: Aber ich glaube das hab' ich so instinktiv so gehandhabt weil ich auf der einen Seite diesen Bezug einfach habe zur Realität zum Beispiel im Iran und gleichzeitig aber auch nicht einfach einen Reisebericht schreiben will oder ein politisches Manifest gegen die islamische Republik, sondern das sollte auch diese fiktive, diese magischen Sphäre angehören.

00:11:48: Würdest du denn eigentlich auch sagen, dass... Teran auch im Iran einfach noch mal eine Sonderrolle spielt.

00:11:54: Also ist der Iran losgelöst von Teran oder ist das schon etwas, was sehr miteinander verwoben ist?

00:12:03: Das ist eine sehr gute Frage.

00:12:04: ja also darüber müsste ich jetzt wirklich nachdenken.

00:12:08: in gewisser Weise ist mir jetzt gerade eingefallen dass es für mich auch ein bisschen ein neuer Gedanke des der Iran der real existierende Iran In den letzten Jahrzehnten sehr tereinisiert ist.

00:12:20: In dem Sinn, das war im Jahr two-tausendneun einmal gelesen, das glaube ich siebzig Prozent, also vor zwei tausend neun ist es schon einige Jahre her, alle Iraner in Städten leben nicht am Laden.

00:12:35: Seine massive Ladung und diese Tendenz hat sich sicher verstärkt in den letzten Jahren und daher ist der Iran eine sehr städtische Gesellschaft.

00:12:47: Weil im Jahr two thousand nine, da gab es ja auch schon immer wieder Proteste im Iran und in zwei tausend neun gab es massenproteste.

00:12:54: Und dann haben viele gesagt Ja gut, die sind halt die Leute in der Stadt.

00:12:57: und ich habe dann jemand gesagt Okay aber die aller weißen leute leben in den Städten was eben mit der Landflucht zu tun hat und auch Problematik hat und so.

00:13:07: also insofern würde ich sagen auf dieser Ebene repräsentiert das reale Tehran tatsächlich sehr stark den gesamten Iran.

00:13:20: Und natürlich war auch, das wäre jetzt ein zweiter Aspekt, Tehran immer auch Epizentrum schon in der konsultationellen Revolution von Aufständen und Protesten von Revolutionen.

00:13:34: aber man muss auch eines sagen dass seit vor allem seit zwei tausend siebzehn achtzehn wo die erste Protestwelle losging gegen das Regime weil es gab auch vor, dass die Proteste mehr oder weniger um Reformen gingen und nicht um die Abschaffung des gesamten Systems.

00:13:53: Seit dem Jahr zwei Tausend siebzehn Achtzehn, wo diese Proteste begonnen haben bis jetzt im Januar zweitausendsechsundzwanzig, wo wirklich Millionen auf der Straße gekommen sind war das aber dann, da gab's ein neues Phänomen, das tatsächlich in sehr viel Orten, also ist oft die Rede von hunderten Städten- und Ortschaften der Namen die Menschen in Teheran zum Teil gar nicht kennen, weil man kann eben in der Regel nicht hunderte Urbane-Zentren kennen.

00:14:26: Also das war dann sehr breit der Proteste.

00:14:28: Es gab manchmal sogar mehr Proteste in der Peripherie als in Tehran.

00:14:35: aber Tehrans ist natürlich doch immer als Hauptstadt und ich glaube Tehrano hat vierzehn Millionen Einwohner.

00:14:43: Also insofern ist es schon ein sehr, sehr wichtiges Zentrum.

00:14:49: In dem Romandspiel Teran als Schauplatz ja schon immer wieder eine Rolle auch zwischen den psychoanalytischen Sitzungen wenn ich sie richtig gedeutet habe.

00:14:58: Ist das für dich auch eine Erinnerung?

00:15:01: Ein politischer Raum oder soll es was ganz anderes darstellen?

00:15:05: Alles miteinander gewiss aber es ist natürlich auch viel Erinnerungen.

00:15:08: also ich hab in den in den Siebzigerjahren Also ich bin zwar in Graz geboren und habe dann aber, wenn ich mich richtig erinnere, sieben Jahre in Tehran verbracht.

00:15:22: Sieben Jahre meiner Kindheit und bin dann einmal noch wie ich dann schon in GraZ wieder gelebt hab dann in den Sommerferien nach Tehrans und seit der Revolution, seit dieser islamischen Revolution war ich nicht mehr dort Und meine Erinnerungen beziehen sich mehr oder weniger auf die Zeit wo diese Kult-Serie, meine Onkel Napoléon ausgestrahlt wurde.

00:15:43: Also das wurde neunzigsechs und siebzig ausgestrallt.

00:15:46: Ich bin in den Neunzehnfünfundsiebzig weg also so habe es knapp sozusagen verabschiedet.

00:15:52: Insofern natürlich auch Erinnerungen.

00:15:55: was waren die anderen?

00:15:57: Einfach nur Erinnerung politischer Raum oder vielleicht etwas ganz anderes?

00:16:03: Was ganz anderes politisch und politisch natürlich!

00:16:06: Und über Politik und Literatur werden wir wahrscheinlich auch noch genauer reden dieses Verhältnis von Politik und literatur, wie das ausschauen könnte oder sollte.

00:16:17: Aber natürlich insofern bin ich natürlich auch politisch aktiv gegen dieses islamische Mörderregime schon seit vielen Jahren und schreibe auch immer wieder ganz sozusagen nicht literarisch also einfach auch Artikel gegen das Regime.

00:16:41: Also insofern ist es natürlich immer mit politischem Engagement verbunden, im weitesten Sinn.

00:16:48: und dieses ganz was anderes beziehe ich jetzt wieder auf dieses magische künstlerische literarische, dass dann wieder sozusagen weil wir sind ja alles sehr zum Teil die Dinge, die da passieren oder auch in meinem vorletzten romantische Quinteran wo dann so ein Text tatsächlich magischerweise dazu führt, dass bestimmte Männer in Teheran sich als Frauen fühlen.

00:17:12: Auch der sozusagen ein gewisser einer der beiden Führer dieser halbfiktiven islamischen Republik Teheraan sich als Frau fühlt und eine Frau bewegt

00:17:24: usw.,

00:17:24: das sind ja alles sehr magische, phantasmatische Dinge die dann aber auch irgendwo sehr viel mit der Realität zu tun haben.

00:17:35: Also das wäre dieses ganz, diese Underworld sozusagen.

00:17:39: die ist dann auch bei den Tieren.

00:17:43: Welche historischen Schichten des Iran wolltest du gerne ganz bewusst miteinander verschränken?

00:17:49: Ja also da muss ich noch einmal sagen es ist nicht so gewesen und ich habe sie ja auch schon gesagt Es ist nicht zu gewinnen sich mich hingesetzt und sagt okay Ich will jetzt einen Rumpen wusste ich gar nicht, dass es überhaupt um die Herangehen wird.

00:18:04: am Anfang wie ich zu schreiben bekomme.

00:18:07: Und schon gar nicht wollte ich.

00:18:08: jetzt habe ich eine ganz bewusste Agenda verfolgen.

00:18:12: Aha!

00:18:12: Ich verknüpfe diese historischen Schichten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

00:18:17: Das hat sich ergeben aber es hat sich irgendwie gut ergeben in dem Sinn weil das was ganz aktuell jetzt passiert im Iran seit Dezember Januar also Dezemba auch mit der Rolle des ehemaligen Kronprinzen.

00:18:33: Das versteht man überhaupt nicht, wenn man die Geschichte kennt.

00:18:37: Zumindest seit dieser konstitutionellen Revolution, die bis ins Elfstadt gefunden hat und eben weitere Stationen in der Geschichte.

00:18:46: Dann denkt man sich okay da gab es einen Diktator, nämlich den Vater des Ex-Kronprinsen, der jetzt sehr beliebt ist im Iran Und okay, der war halt irgendwie so ein komischer orientalischer Diktator und jetzt will der Sohn wieder an die Macht kommen.

00:19:05: Das ist völlig verfehlt weil diese den Parlevid-Dynastie ist sozusagen ein Resultat genau dieser konstitutionelle Konstitutionellrevolution, die ich jetzt mehrmals erwähnt habe.

00:19:20: Und das Ziel dieser konstitionellen Revolution in allererster Linie das sozusagen, okay wir wollen jetzt eine Demokratie einführen.

00:19:31: Das auch aber es ging zunächst einmal darum überhaupt so etwas wie welchliche also das Land nicht von dieser Scharia basierten Monarchien und von der Willkür des Königs und unter feudal Herrn beherrscht wird sondern eben dass es überhaupt Gesetze gibt im moderneren Sinne.

00:19:55: Und die Verfassung, die in den sechs Jahren in Iran dann installiert wurde war eine Verfassung nach dem belgischen Vorbild.

00:20:06: Belgien deshalb weil eigentlich die französische Revolution so das Ideal und Vorbild war.

00:20:11: aber Frankreich war eine Republik und aus verschiedenen Gründen blieb dann der Iran eine Monarchie.

00:20:16: also der Vater des letzten Schaas, also des letzten Monats wollte eine Republik einführen.

00:20:22: So wie der Atatürk, der sozusagen sein Vorbild war.

00:20:26: und die Geistlichen haben aber gesagt nein, das geht nicht weil republik ist uns zu weltlich und zu westlich und ich weiß nicht was.

00:20:33: und dann ist daraus ist dann die Idee entstanden dass er eine neue Dynastie entsteht.

00:20:38: Und diese Dynasty der Paläliste gab es eben zwei Monate nach, eben den Ressertschah und dann dem Mohammed-Ressertchah also den Vater des jetzigen Kronprinzen.

00:20:46: Die haben jetzt natürlich nicht demokratisch regiert so wie auch Atatürk – das habe ich zuletzt noch einmal recherchiert – auch der Ataturk seit seines Lebens überhaupt nicht demokratische regiert hat sondern sehr autoritär.

00:20:58: aber er hat die Grundlagen geschaffen Absichtlich oder unabsichtlich für die Demokratie, die jetzt durch Erdogan wieder quasi mehr oder weniger abgeschafft wird.

00:21:11: Das ist noch einmal eine andere Geschichte und genau so war es eigentlich mit dieser Pachner wie Dynastie.

00:21:18: Die haben großteils tatsächlich diktatorisch regiert.

00:21:22: Abgesehen von einer Phase vom neunzehn, glaube ich, einunvierzig bis dreiundfünfzig da herrschte im Iran wirklich demokratische Situation, chaotisch aber demokratisch.

00:21:35: Zu einer Zeit in den Vierzigerjahren, zumindest bis nineteen viertundvierzig, wo in Europa lauter faschistische Diktaturen geherrscht haben – in Ungarn, in Deutschland, in Italien und in Spanien und so in Portugal.

00:21:46: Das muss man auch immer mitdenken dass das der jetzige Crown Prince oder Ex-Cron-Prince jetzt nicht irgendeinen orientalischen Despoten unbedingt repräsentiert sondern eine Traditionslinie die die man sozusagen als eine Entwicklungsdiktatur bezeichnen könnte.

00:22:05: Und die hat, die tatsächlich dann so zu sagen solche Dinge wie also um das ein bisschen zu konkretisieren.

00:22:13: Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts konnten Null Komma fünf Prozent aller Iranerinnen und Iraner lesen und schreiten Das Land ist es war ein feudal System.

00:22:25: Es gab praktisch keine Frauen Bildung Keine Frauenrechte und so weiter.

00:22:31: Und alles das wurde dann eben während dieser Pahler-Limonarchie quasi aufgebaut, Schritt für Schritt.

00:22:39: Und ohne alle diese Faktoren ist eine Demokratie überhaupt nicht vorstellbar.

00:22:45: Und vielleicht noch ein letzter Punkt.

00:22:48: In dreiundsechzig gab es schon einen ersten Aufstand von Komeni.

00:22:52: Und warum gab es diesen Aufstand?

00:22:54: Weil der Schauer eine Landreform durchgesetzt hat Die nicht sehr glücklich und erfolgreich war aus verschiedenen Gründen, aber er hat das Feudalsystem abgeschafft.

00:23:03: Und die Feudalherren waren großteils Müllers!

00:23:05: Also die Geistlichen waren die Großbrunnen.

00:23:09: Dagegen hat sich der Kommen in die Revolution und gegen das Frauenwahlrecht.

00:23:14: Und später war auch ein großes Unbehagen also so dann in den Siebzigerjahren weil das Familienrecht sehr modernisiert wurde, dass zum Beispiel bei einer Scheidung nicht der Mann des die Kinder, das obsorgrechter Kinder bekommt sondern die Frau.

00:23:28: Alle diese Dinge und wenn man alles das sozusagen weiß dann versteht man auch besser worum es geht.

00:23:36: Wenn jetzt zum Beispiel im Januar am achtem neunten Januar da gibt's jetzt eine ganz neue Statistik mindestens vierzehn Millionen Menschen und das war sicher die größte Demonstration die sie je in Iraen gegeben hat dem Aufruf dieses Kornprinzen gefolgt sind Und das wird halt oft in den deutschen Medien Kleingeschrieben, bewusst verleugnet und weil das passt irgendwie nicht ins Schema.

00:24:03: Das sozusagen jetzt diese revolutionäre Bewegung die jetzt in ihrer Anstaat findet so zu sagen monarchistisch erscheint und monarkistisch klingt dann nach eben keiner Motive usw.

00:24:17: Und deswegen gesagt es war jetzt nicht meine Absicht Buch fertiggeschrieben habe im November, um zu verstehen was heute passiert.

00:24:32: Das hat mir auf jeden Fall auch sehr geholfen und auch gut gefallen.

00:24:36: wenn man quasi als Leser-Leserin vielleicht nicht so Fan von Geschichtsbüchern ist kann man bei dem Buch da auf jeden fall auch ganz viel mitnehmen und lernen.

00:24:46: Wenn wir gerade auch noch mal bei dem Punkt feministische Revolution sind, was bedeutet das in deiner Erzählung und was hast du da so mitgenommen?

00:24:56: Ja es hat sich einfach ergeben.

00:24:58: Es ist witzig weil mein vorletzter romantischer Quinteran publiziert wurde.

00:25:04: Anfang twenty-一undzwanzig Und im September zwei tausend zweieinzwanziger also eineinhalb Jahre später gab es diese sogenannte feministische revolution.

00:25:14: frau leben die Frau Leben, Freiheit und Bewegung.

00:25:17: Und in Shishik Eran wird eine Frauenrevolution beschrieben.

00:25:21: Das ist jetzt nicht wahnsinnig originell oder so weil natürlich alle sich genauer mit der Situation im Iran beschäftigen oder viele haben das einfach natürlich verstanden dass dadurch also die Hauptunterdrückte Gruppe eben die Frauen sind.

00:25:40: Sehr logisch ist, dass man auch davon ausgeht.

00:25:43: Und das war ja immer wieder so, dass die Frauen es sind, die dann gegen dieses System aufstehen und eine sehr zentrale Rolle spielen wird.

00:25:54: Tatsächlich kam es im September nach der Ermordung von China Amini – weil ihre Kleidung nicht korrekt war nach den Prinzipien der Sharia oder was auch immer – feministischen Revolution.

00:26:12: Und auch da ist es ganz wichtig, darauf hinzuweisen dass es im Iran eine lange Tradition gibt der verschiedenste Arten von Frauenbewegung.

00:26:26: beginnend schon im neunzehnten Jahrhundert, achtzehn-achtundvierzig gab es eine sehr wichtige Frau Tahere.

00:26:33: das war eine Theologin und Dichterin die quasi vom Islam abgefallen ist und es gab damals eine messianische Bewegung die Babis, die später dann mündete in die Bahai-Religion.

00:26:46: Die Babis haben gesagt der Islam ist jetzt sozusagen abgerufen sie glauben an den Islam.

00:26:51: aber jetzt kommt zusammen eine andere Religion ein anderes Gesetz und die Tahere hat öffentlich ihren Schleier abgenommen als Symbol also nicht feministischerweise im Sinn von Frauenrechte sondern Das ist sozusagen die Offenbarung, also diese neue Offenbahrung und symbolisch steht sozusagen der Gesicht entschleiert für diese Neueoffenbarungen.

00:27:14: Und aber Tahere war praktisch die Führerin dieser Massenbewegung der Barbis, die auch Kriege geführt haben gegen die Zentralregierungs- und sehr faszinierende Personen und eigentlich eine obwohl sie natürlich jetzt keine Feministin im modernen Sinn war so wie eine Jean Dark irgendwie, also auch diese ganze Bewegung angeführt hat weil die eigentliche Zentralfigur eingesperrt war, die ganze dann hingerichtet wurde.

00:27:38: Daher wurde auch hingerichtet.

00:27:40: Dann gab es in der konzeptionellen Revolution von der wir gesprochen haben und das habe ich auch vor einigen Jahren erst entdeckt weil ich einen Auftragstext schreiben musste über die Frauenbewegungen im Iran, haben die Frauen eine entscheidende Rolle gespielt und zwar... Es gab damals wurde diese Diese charierbasierte Monarchie vom zarristischen Russland unterstützt.

00:28:07: Brutal, also es gab wirklich einen Bürgerkrieg und die Frauen spielten einerseits eine Rolle in einer Streik- und Beukottbewegung weil russische Waren imbeokottiert wurden bestreikt wurden zum Beispiel Teehäuser, die russischen Tee irgendwie gearbeitet haben, die wurden dann angegriffen von Frauen wirklich gewaltsam.

00:28:34: und die Frauen haben einmal das Parlament besetzt, mit Pistolen bewaffnet.

00:28:38: Und sie haben auch wirklich militärisch eine Rolle gespielt.

00:28:41: Es gab eine Herrführerin.

00:28:43: Das wusste ich alles nicht vor wenigen Jahren.

00:28:45: Das habe ich für mich recherchiert.

00:28:49: Aber dann ist es interessant, dass obwohl die Frauen eine so wichtige zentrale Rolle gespielen haben, hatten sie nach dem Sieg dieser konstitutionell Revolution, kein Wahlrecht.

00:29:03: Also Frauen und kriminelle und geisteskranke waren ausgeschlossen vom Wahlrecht, obwohl sie so zu sagen gekämpft haben.

00:29:10: Und die man könnte.

00:29:11: das ist jetzt sozusagen eine These.

00:29:13: Das wurde nicht explizit damals so verkündet.

00:29:18: Man könnte den Frauen, die damals gekämpfen haben auf der Seite dieser Konstitution, könnte man zuschreiben Das war eine Bewegung von Frauen, aber nicht für Frauen.

00:29:31: Nicht für Frauenrecht in erster Linie.

00:29:33: Es gab natürlich Ausnahmen also es wurden dann im weiterer Folge Mädchenschulen zum Beispiel.

00:29:39: Also Frauenbildung waren ein Thema.

00:29:41: Aber es war jetzt keine im engeren Sinn wiederum feministische Bewegungen sondern man könnte diesen Frauen wirklich zuschreiben dieses das was in gewisser Weise August Bebel gesagt hat, die Frauen des Sozialismus jetzt sehr verkürzt und schematisch gesagt erst wenn die Gesellschaft befreit ist.

00:29:59: Erst wenn das Sozialismus errichtet ist können die Frauen wirklich frei sein.

00:30:04: also man könnte diesen Frauen zuschreiben dass die so gedacht haben erst wenn wir uns von den quasi Kolonialmächten Russland und England befreiten und wenn es diese Konstitution im Iran Dann können wir uns dann der Frauenfrage widmen, also so diese Geschichte von Hauptwiderspruch und Nebenwidersprache.

00:30:27: Und viel später, wenn wir jetzt hundert Jahre nach vorne springen, in den Jahr ist es genau umgekehrt oder die Einsicht eine Umgekehrte war, dass erst die Befreiung der Frauen von dieser Männerherrschaft gegründet auch einem Männerglauben, nämlich dem Islam.

00:30:54: Dass erst die Befreiung der Frauen vom Kopf durch Zwang und vielen anderen Zwängen die Befreihung der ganzen Gesellschaft bringt – auch da Männer!

00:31:01: Das ist jetzt natürlich sehr zugespitzt und poentiert gesagt aber das ist tatsächlich also.

00:31:10: deshalb finde ich auch diesen Begriff feministischer Revolution durchaus berechtigt.

00:31:16: Man könnte auch sagen okay eine Revolution, von einer Revolution kann man erst dann sprechen.

00:31:22: Aber ganz stimmt es nicht wenn man spricht auch von der sexuellen Revolution der sechziger Jahre und da ging's jetzt nicht darum dass jetzt irgendwie die irgendwelche quasi politische Gruppen die Macht übernommen haben sondern das war eine Kulturrevolution.

00:31:38: diese Kulturrevolutions gibt es tatsächlich im Iran weil vor dieser Frau Leben Freiheit Bewegung was wirklich eine Sensation.

00:31:48: irgendwo einmal eine einzelne Frau ohne Kopftuch gesehen hat und die wurde dann auch nicht sofort verhaftet und bestraft.

00:31:56: Und jetzt gibt es sehr, sehr viele Videos wo man dann ganze Gruppen von Frauen sieht, die einfach massenhaft ohne Kopfduch auf der Straße herum gehen und weil es eben massenhafte passiert können sie können nicht ständig Massen an Frauen verhaften und bestrafen.

00:32:20: Also insofern war das tatsächlich eine Revolution, natürlich jetzt nicht eine Revolution die die islamische Republik abgeschafft.

00:32:31: Für dass du denn auch im Jahr twenty-sixundzwanzig von den Unruhen Dezember und Januar von der Revolution sprechen trotz allem also diesen Begriff gab es am Anfang in der Berichterstattung tatsächlich ja ganz kurz.

00:32:46: Aber würdest du auch sagen, dass generell in der Bevölkerung vielleicht doch diese Revolution, diese Kulturrevolution dann weiter stattfindet?

00:32:53: Ja das ist ja eine sehr gute Frage.

00:32:54: Also man könnte hier zum Beispiel ironisch sagen bei uns im Iran gibt es alle zwei Jahre oder ich glaube nicht immer in Frankreich so viele Revolutionen oder quasi Revolution wie auch immer wird's nennen wir nacheinander.

00:33:07: und leider das Traurige ist ja, dass tatsächlich mein es wäre also da Wunsch ist natürlich dieses mörderisches Regime tatsächlich abgeschafft wird.

00:33:17: Und man muss auch eines dazu sagen zum Januar, zum acht und neunten Januar.

00:33:22: An diesem achten und neunteren Januar sind innerhalb von achtundvierzig Stunden aber diese achtund vierzig stunden waren ja auch.

00:33:28: es war nicht so das hat begonnen in zwanzig Uhr am achten jannuar.

00:33:32: da war der Aufruf eben des Kronprinzen.

00:33:35: Da sind wirklich Millionen Menschen in zahlreichen Städten auf die Straße gegangen.

00:33:39: und wir haben also ich zumindest das von viele viele andere meiner Freunde aus dem Iran waren überzeugt, dass wenn einmal Millionen auf die Straße gehen.

00:33:51: Dass die das nicht schaffen oder dass die dann nicht schießen werden?

00:33:55: Es gab Millionen Proteste, gab es im Jahr zwei tausend neun.

00:33:58: Das war bei Weiten nicht so viele.

00:34:00: also es waren schon wahrscheinlich Millionen aber nicht zu viel.

00:34:02: und es war innerhalb des Systems dieses dieser Protestes ging darum, dass Wahlen gefälscht wurden Und es ging eben darum, dass die Menschen dann gesagt haben ja wo ist meine Stimme?

00:34:14: und so weiter.

00:34:15: Es war nicht...es ging nicht darum das System abzuschaffen.

00:34:21: Jetzt aber schon jetzt gings darum das system abzuschafen und wir haben gedacht Ja wenn wir tatsächlich weil es gab ja auch zwei tausend siebzehn achtzehnt und an zweitausend neunzehn gab's auch schon prozess.

00:34:33: Aber es waren nicht Millionen es waren vielleicht zehntausende Es war sehr breit, aber es waren wirklich keine Millionen-Proteste.

00:34:39: Und das war unsere Hoffnung.

00:34:40: wenn dann Millionen auf die Straße kommen können sie nichts machen.

00:34:43: Das war leider eine falsche Erwartung und die haben plötzlich ja auch Milizen importiert aus dem Libanon, aus Irak, aus Afghanistan usw.

00:34:56: Ich habe mich, ich hab das recherchiert.

00:34:58: Das war der größte Massenmord in der Geschichte, in der Weltgeschichte aller Straßenproteste.

00:35:06: Zahlen verglichen.

00:35:07: Zum Beispiel im China, in den neunundachtzigten Jahren ein Mann gibt es so Zahlen so wenn ich jetzt das richtig im Kopf habe zwei bis drei tausend ist schrecklich genug.

00:35:18: also das ist natürlich immer sehr frivol irgendwie zahlen so in dieser Weise zu vergleichen.

00:35:22: aber vielleicht sollte man das einmal einmal feststellen und das ging bei eineinhalb Monate diese diese Tötungen oder im arabischen Frühling, in Cairo oder Myanmar.

00:35:38: Das ist weit nicht ... Und die Zahlen, die wir jetzt haben und das sind jetzt... Ich bin ja von meinem Ursprungsberuf Arz und ich habe auch sehr viel Kontakt mit iranischem Ärzten der Oppositionen.

00:35:52: Ich weiß auch wie diese Zahlen zustande kommen.

00:35:55: Das heißt ja, die Rede mittlerweile von vierzig bis fünfzig, manche reden von hunderttausend Menschen.

00:36:02: Das beruht, das sind jetzt nicht einfach irgendwelche Fantasiezahlen.

00:36:05: Sondern da geht es wirklich darum – ich habe mal einen Interview-Gelausch von einem Kollegen in München, der hat….

00:36:11: das ist nun meine leihenhaften Begriffe sozusagen Kriegsmedizinische Statistik also wo es dann so bestimmte Parameter gibt, wo man sagen kann wie viel Prozent der Menschen werden in einer Kriegssituation erreichen?

00:36:23: und das Krankenhaus und mit diesen Parametern.

00:36:29: Und es gab aber ganz viele Berichte aus den Krankenhäusern von eben, von den Ärzten wie die Menschen behandelt haben.

00:36:37: So kommen diese Zahlen zustande und was ich eigentlich sagen wollte war das in dem westlichen Öffentlichkeit in Europa damals nach diesem Massenmodel – das hat man schon gewusst, dass da etwas Schreckliches passiert ist auch wenn nicht genauere Zahlen hatte, ist außer den Iranerinnen und Iranern praktisch niemand auf die Straßen gegangen ist.

00:37:04: Man könnte das ja machen... man hätte ja es gibt ja die Botschaften der islamischen Republik.

00:37:08: Niemand!

00:37:09: Aber dann am achtundzwanzigsten Februar als dann Israel- und USA dieses Massenmörderische Regime angreifen was von vielen, vielen, viele Iranern sehr begrüßt wurde.

00:37:22: Da gab es Proteste, nicht so stark wie im Kontext von Gaza, aber da gibt es auf einmal Proteste gegen Israel und gegen die USA.

00:37:34: Ich höre immer wieder Stimmen natürlich aus dem Iran wo zum Beispiel einer gesagt hat we are not against the war you're against the west.

00:37:42: also es geht dann immer nur darum in diesen speziellen Kreisen Hauptsache es geht gegen den Westen und das ist dann wenn ich diesen Teil jetzt unseres Gespräch abschließen darf.

00:37:56: Das ist dann in gewisser Weise auch eine traumatische Erfahrung für die Menschen im Iran, aber auch für uns in der Diaspora.

00:38:04: Wenn wir zunächst einmal sozusagen dieses Massaker erleben also erleben vielleicht nicht unmittelbar erleben Aber halt das finde des massakers statt.

00:38:15: es ist das Trauma und ich habe viele Jahre mit als Psychiater mit schwer traumatisierten gearbeitet Und ich weiß von dieser Arbeit mit Schwertraumatisierten, dass die Anerkennung des Traumaß vielleicht der wichtigste therapeutische Faktor ist und die Nicht-Anerkennungen gewisserweise eine zweite Traumatisierung.

00:38:39: Es wurde schon registriert... klein geredet und es spielt jetzt auch überhaupt keine Rolle.

00:38:44: Jetzt geht's darum, ob Trump jetzt irgendein Deal macht mit der islamischen Republik um die Straße von Hormuz, um die Ölpreise... Es gibt diesen Begriff der Rassismus, der geringen Erwartungen, da gehts darum.

00:38:59: Beispiel manche Menschen sagen ja wenn zum Beispiel Menschen in arabischen Gesellschaften antisemitisch ticken dann ist das nicht so schlimm.

00:39:09: Das wird jetzt niemand so explizit sagen, aber das ist diese Haltung.

00:39:14: Dieser... Das was im Zusammenhang zum Beispiel jetzt mit dem Iran passiert, ist noch viel, viel schlimmeres als dieser Rassismus der geringen Erwartungen.

00:39:21: Es ist nicht einmal Rassismus, es weiß nicht wie ich das benennen soll vielleicht findet jemand einen guten Ausdruck dafür.

00:39:27: Das ist eine völlige Eliminierung dieses Menschen als Subjekte.

00:39:33: Diese Menschen zum Beispiel in Iran oder auch in Palästina sind diesen Aktivisten die hier im Westen gegen Trump demonstrieren, gegen Israel demonstriert völlig egal.

00:39:43: Die existieren überhaupt nicht.

00:39:44: Sonst würden die ja wenn sie schon Angeblich für die Palästinenser in Gaza demonstriern Irgendwie auch das registrieren was im Iran passiert ist und es findet einfach nicht statt weil es überhaupt nicht um real existierende Menschen geht weder um palästinenzern noch noch um uns iraninnen und iranen sondern es geht nur um dass ich jetzt etwas, was sich als Psychoanalytiker, das politische Überich bezeichnen würde.

00:40:12: Es geht darum, dass ich ein reines Gewissen habe meiner politischen Ideologie, meinen idealen Gegenüber um die Menschen dort und diese Region da zum Beispiel jetzt der Nahe Osten.

00:40:24: Das ist einfach eine weiße Fläche und darauf poliziere ich meine politischen Imaginationen.

00:40:30: Und es tut natürlich sehr weh.

00:40:35: etwas Allerletztes zu diesem Massaker in Januar.

00:40:39: Ich habe bei diesen Romanen im November... ...zweitausendfünfundzwanzig fertiggeschrieben und dieser Roman, wie du gemerkt hast, hat ja was so spielerisch humorvoll ironisches.

00:40:52: Und ich hab mich dann, ich hab nicht gefragt wenn ich jetzt den Romanen keine Ahnung im Januar... ...sechsundzwanzeh oder Februar, sechsundzwannzig fertig geschrieben hätte ob ich diesen ironischen Ton hätte beibehalten können.

00:41:07: Und da kann man natürlich jetzt sagen, okay es wurden ja in den Jahren und Jahrzehnten vorher auch sind auch extrem grausliche Dinge passiert.

00:41:15: und wo ist dann die Grenze?

00:41:16: Alles das kann man fragen.

00:41:17: aber für mich war das so dass ich dann nach dem was im Januar passiert ist habe ich mir irgendwie gedacht okay wahrscheinlich könnte ich wenn ich falls ich jetzt wieder einen Roman über Iran oder derer anschreibe nicht mehr diesen spielerisch humoristischen Ton einschlagen.

00:41:35: Okay, also du spielst ja in dem Roman aktuell auch schon bei anderen politisch schweren Themen so ein bisschen mit Komikrotesten-Stilmitteln.

00:41:45: Das heißt für dich ist das aber auch auf jeden Fall einen Punkt den du jetzt nicht mehr anbringen könntest?

00:41:51: Weil ich würde es gleich so sagen... Ich würde vielleicht, das hundert Prozent weiß ich's nicht, Ich könnte gar, also ich kann gar nicht anders glaube ich über Teran oder den Iran schreiben als so.

00:42:11: Dann würde ich dann vielleicht überhaupt nicht drüber schreiben.

00:42:14: und was ich nicht mag aber das ist halt schon auch etwas Persönliches.

00:42:19: Diese Betroffenheitsliteratur ja diese Schrecklichkeiten gibt es natürlich noch einmal reproduziert weiß ich nicht, sondern Betroffenheit auslöst und dieses schwere... Ich kann irgendwie nicht anders als eben satirisch zu schreiben.

00:42:44: Und das ist auch wiederum nicht etwas wo ich mir vorher theoretisch überlegt habe.

00:42:49: okay ich mache das um jetzt ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

00:42:52: aber es gab eine Lesung im Jahr einundzwanzig eben auf Schischekintera in Freutmuseum.

00:43:01: Philosoph Robert Faller war sozusagen mein Gesprächspartner.

00:43:06: Und der hat dann gesagt, ja da haben wir darüber gesprochen, ist Humor denn überhaupt angebracht?

00:43:11: Wenn es um die islamische Republik geht oder zum Beispiel auch um Iranzis geht und er hat zum Beispiel gesagt das gibt er diesen Film von Ernst Lubitsch, Tupi or Not Tupii wo halt Hitler dort einen Kakao gezogen wird.

00:43:23: Das war aus seiner Sicht zum Beispiel wenn man diesen filmen das glaube ich in den vierziger Jahren gedreht wurden, als die Nazis noch an der Macht waren.

00:43:32: Wenn man diesen Film angeschaut hat gedacht okay wenn die so lächerlich sind dann kann man die auch vielleicht besiegen.

00:43:37: also das ist wie gesagt jetzt nicht etwas was ich am Radar hatte und ja ich mache das jetzt besser.

00:43:44: aber das könnte sozusagen ein Effekt sein dieser Art von Satire.

00:43:48: es gibt ja grundsätzlich und das weiß ich auch aus der Literaturtheorie es geht auf Schiller zurück zwei Arten von Satires werden immer wieder erwähnt, also eben diese spielerische humorvolle ironische Satire und die sogenannte ernst des Satire, die dann schimpft so wie Thomas Bernhardt.

00:44:08: Also wo man aus einem totalen Unbehagen und aus einer leidenschaftlichen Abneigung gegen die herrschenden Zustände dann die Sau rauslässt um Schimpft und so.

00:44:23: Das könnte man auch als Satire bezeichnen.

00:44:27: Auch das ist nicht etwas, was irgendwie mir liegt und schon gar nicht diese Betroffenheitsiteratur.

00:44:32: Also würde ich dann vielleicht gar nicht über das aktuelle Terran schreiben.

00:44:36: Was ich mir schon vorstellen könnte... Ich habe seit Jahren die Memoiren meines Großvaters, der elf Geboren ist und nineteen vierund neunzig gestorben ist und wo es sehr viel auch um die jüngere Geschichte des Iran oder Terans geht.

00:44:52: also Da bin ich dabei zu überlegen, ob ich jetzt daraus was mache.

00:44:57: Aber da geht es auch nicht um die ganz aktuelle Situation.

00:45:00: Ich glaube das war einfach trotzdem ein guter Bezug zum Buch und auch zur jetzigen Realität des Iranen und der Menschen im Iran und der politischen Situation vor allen Dingen.

00:45:11: Um nochmal so eine kurze Abschlussfrage zu stellen hat sich denn dein Blick auf den Iran über die Jahre verändert?

00:45:18: Und in welche Richtung?

00:45:21: Ja auf jeden Fall... Weil immer wieder einmal hat sich mein Blick verändert.

00:45:27: Also ich muss sagen, ich habe vielleicht in den neunziger Jahren da gab es ja diesen Reformpräsidenten Katami und haben sehr viele Menschen... also das glaube ich dachte über siebzig Prozent der Stimmen bekommen.

00:45:40: Die haben tatsächlich gedacht, da ist was möglich!

00:45:43: Und er hatte auch sehr... Er ist ein ziemlich gebildeter Mensch dieser Katami unter.

00:45:48: wie viele Jahre in der Nationalbibliothek verbracht und hat Philosophen studiert, konnte ganz gut reden von Demokratie und von Dialog der Kulturen.

00:45:58: Ich weiß nicht was und ich habe tatsächlich auch gedacht okay da ist vielleicht irgendwas möglich mit vielen vielen anderen meiner Landsleute und mittlerweile ist zum Beispiel Reformer ein Schimpf vor dem Iran.

00:46:10: also das ist wie die Reforme sind sie auch einen Anteil haben wollen an der Macht und diese Reformen oder Reformchen machen wollen, die sie ohnehin nicht wirklich durchsetzen konnten.

00:46:28: Aber das Ziel dieser Reformen wäre einfach der Machterhalt, dass man halt ein bisschen das System kosmetisch repariert damit das System weiter bestehen kann seine Ziele gegen Israel und die Unterdrückung der Menschen im Iran, das einfach weiter machen kann mit ein bisschen Kosmetik.

00:46:45: Und international damit man dann international solche Dinge machen kann wie den Atom-Deel unter Obama usw.

00:46:54: Und all diese Deals dienen ja nur dazu.

00:46:57: Das hat eine lange islamische Tradition, das nennt sich Hutna.

00:47:01: Also da geht es darum dass man einfach so ne Feuerpause hat um sich zu regenerieren und den Feind dann so richtig vernichten zu können in weiterer Folge.

00:47:10: Und wenn man das nicht begreift, dann tappt man in diese Falle so wie es jetzt anscheinend der Trump macht, dass man glaubt ja man kann mit ihnen irgendwie doch irgendwas im Deal abschließen, kann man vielleicht.

00:47:26: aber was da das Ergebnis ist, ist halt bestes die halt benutzen um weiter am Raketenprogramm zu bauen an Atomprogrammen zu bauen um ihre Proxis zu stärken und so weiter.

00:47:39: Vielleicht noch ein, etwas hatte ich ja schon gesagt was sich verändert hat.

00:47:42: Ich war überzeugt dass wenn es einmal wirklich Millionen Proteste gegen das System gibt Dass da das System nicht zurückschlagen kann.

00:47:51: Da habe ich mich getäuscht.

00:47:53: Und etwas was sich auch verändert hat ist Das ich nicht damit gerechnet hab, dass so viele Iranerinnen und Iraner Israel-solidarisch Sinn.

00:48:04: Das sieht man jetzt zum Beispiel in Wien, hat es höchstwahrscheinlich noch nie irgendwelche Demonstrationen gegeben und sich auch in anderen Großstädten der westlichen Welt mit so viel Israel fahnen wie auf den Demonstrazionen der Iranerinnen und Iranern.

00:48:16: wo jetzt einer Demonstration, wo ich dabei war waren bis zu zwanzigtausend Menschen unterwegs.

00:48:21: auf die Wiener Innenstadt wurde auch völlig kleingeschrieben von der hiesigen Presse.

00:48:25: warum auch immer?

00:48:26: Und das und was mich auch erstaunt hat dass viele, viele nicht alle natürlich.

00:48:33: Weil Krieg ist natürlich etwas Schreckliches und wenn ich ein ürender Gegner des Regimes bin und ich wohne zufällig im Nebenhaus und neben mir wohnt irgendein Führer der Revolutionsgarten und den trifft eine Rakete und ich bin dann auch dort, dann bin ich auch dort.

00:48:48: Das freut mich natürlich nicht!

00:48:49: Also insofern kann das auch ganz, ganz schrecklich sein.

00:48:52: Und trotzdem sind sehr, sehr viele Iraner entgegen.

00:48:55: Es gibt so meine Lieblings... Geschichte in dem Zusammenhang.

00:48:59: Das heißt, hat die Nathalie Amiri erzählt und hat gesagt, sie hat mit einer Mutter gesprochen.

00:49:03: Das war in den Tagen vor dem achtundzwanzigsten Februar also bevor der Krieg losgegangen ist.

00:49:08: Also der Kriegt von Israel und der USA gegen Iran.

00:49:11: Eine Mutter, die zu ihr gesagt hat ja ich bin so besorgt.

00:49:15: Ich habe Kinder und in deren gibt es keine Luftschutz-Kelner.

00:49:18: Also wenn das wäre erschrecklich.

00:49:20: und dann geht sie mir diese Sorge ins Bett und erwacht dann enttäuscht dass es keinen Krieg gibt.

00:49:26: Das zeigt eben dieser Haltung sehr vieler Menschen im Iran, die natürlich wissen was Krieg bedeutet und natürlich nicht wollen bis Bomben.

00:49:34: Es muss man sich mal vorstellen was das wirklich wirklich bedeutet wenn da irgendwo in der Nähe Bomben fallen usw.

00:49:39: Und mein Leben bedroht ist.

00:49:40: Und trotzdem!

00:49:41: Und dann muss man... Das ist nämlich genau das weil ich bin ja immer wieder in diese schrecklichen Lage dass ich mich rechtfertigen muss gegenüber meinen Linken.

00:49:51: Ich glaube, das ist die falsche Betrachtung.

00:50:01: Man muss es eher umgehen.

00:50:03: Wie verzweifelt müssen diese Menschen in Iran sein?

00:50:06: Diese vielen Menschen, die sich einen Krieg wünschen weil sie dieses Regime seit Jahrzehnten Krieg gegen sie führt einfach nicht aus eigener Kraft beseitigen können.

00:50:20: Ich glaube, da fasst du was ganz Wichtiges zusammen.

00:50:24: Vielen Dank auch für dein Gespräch und deine Zeit für diese Eindrücke!

00:50:29: Zu diesem Gespräch würde es auf jeden Fall noch eine Fortsetzung geben im September – das kann ich schon mal sagen an dieser Stelle.

00:50:34: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, abonnieren Sie uns gerne auf YouTube, auf anderen Social-Media-Kanälen, teilen sie das Gespräch auch gerne an Interessenten Und weitere Analysen, Hintergrundgespräche, Interviews, Beiträge zur Antisemitismus zum Nahen Osten gibt es auf www.meanerwatch.com.

00:50:50: Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal!

Über diesen Podcast

Im Mena-Talk sprechen Persönlichkeiten aus Medien und Politik, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft über politische und gesellschaftliche Themen, die das Team von Mena-Watch bewegen. Der Themenbogen ist weiter gespannt als bei den Analysen auf der Website des Thinktanks.

Eine Produktion von Mena-Watch. Der unabhängige Nahost-Thinktank veröffentlicht täglich Nachrichten sowie Analysen und Kommentare renommierter Experten und Autoren zu aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und Nordafrika. Ein Team von Politikwissenschaftlern, Historikern und Autoren garantiert die inhaltliche Substanz und Faktentreue jeder einzelnen Veröffentlichung. Mehr auf www.mena-watch.com.

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